Zungenbrennen / Brennen der Mundschleimhaut oder Geschmacksstörungen

Eine äußerst schwierige Diagnostik begleitet diese Symptome. Viele Faktoren können diese unangenehmen und belastende Empfindungsstörungen beeinflussen.

 

Wir möchten zumindest einige Anregungen geben um zusammen mit dem Patienten eine Ursache ausmachen zu können.Oft spielen auch psychische Komponenten, z. T. auch alltäglicher Stress, eine entscheidende Rolle.

 

Liegen sichtbare Veränderungen der schmerzenden Bereiche vor, lässt sich eine Diagnose leichter stellen.

 

Zungenbrennen kann allein oder im Zusammenhang mit einem Brennen der Mundschleimhaut auftreten. Patienten äußern oft nicht ausschließlich ein Brennen, sondern auch andere Empfindungsstörungen, wie ein Kribbeln, Jucken, Stechen oder Wundsein. Geschmacksstörungen sind keine Seltenheit, sowie auch Mundtrockenheit häufig beklagt wird.

 

Die Beschwerden schwanken in ihrer Intensität und in ihrer Lokalität, vor allem was die Mundschleimhaut betrifft. Die Zunge ist meist seitlich und im Bereich ihrer Spitze betroffen, wobei jedoch keine Zusammenhänge mit dort entlanglaufenden Nerven bestehen. Im Laufe des Tages nimmt die Missempfindung oft zu; so beginnt sie morgens schwach und kann am Abend kaum erträglich sein.

 

Häufiger treten kleine Entzündungen einzelner Zungenpapillen durch mechanische oder chemische Reize auf. Sie sind für den Patienten als maximal Stecknadelkopf große, weiße, erhabene Knubbel spürbar und im Spiegel zu erkennen. Trotz ihrer störenden und unangenehmen Natur lösen sie kein Brennen aus.

zungenbrennen, geschmacksstörung

Mit dem Auge erkennbare Veränderungen stellen sich selten dar.

 

Es muss stets untersucht werden, ob ein lokaler Reiz die Zunge oder Mundschleimhaut traumatisiert bzw. eine Allergie hervorruft. Hier kommen scharfe Zahnkanten, Karies, Zahnstein, überstehende Füllungsränder, abstehende Kronenränder, kieferorthopädische Apparaturen, galvanische Ströme durch verschiedene Metalle im Mundraum und bestimmte Mundschleimhautentzündungen in Betracht.

 

Ein übermäßiger direkter Kontakt der Mundhöhle mit scharfen und/oder heißen Speisen, Alkohol, Nikotin, Tabak, Pfefferminztee und Süßigkeiten ist ebenso als Auslöser möglich.

 

An Kontaktallergien durch Mundwasser, Zahnpasten, Kaugummis, Quecksilber, Metalle wie Nickel, Chrom und selten Gold, wie sie in bestimmten Berufssparten, bei zahnärztlichen Versorgungen und beim Piercing verwandt werden, denkt man oft nicht sogleich.

 

Auch eine spät diagnostizierte falsche Bisshöhe kann nicht nur Verspannungen und Kiefergelenksprobleme, sondern auch Mundschleimhautveränderungen auslösen.

 

Allgemeine Erkrankungen sind bei der Klärung der Ursache mit einzubeziehen. Vitamin B-, Eisen-Mangelerscheinungen, Diabetes, eine funktionseingeschränkte Leber und Blutarmut, dabei im besonderen die so genannte Vitamin B 12-Mangelanämie mit der Moeller-Hunter-Zunge, können ein Zungen- oder Schleimhautbrennen hervorrufen.

 

Wichtig und die weitaus häufigste Ursache sind psychische Faktoren. Depressionen können körperliche Beschwerden so weit in den Vordergrund schieben, dass die grundlegenden psychischen Probleme schwer zu erkennen sind. Die Patienten klagen neben der oralen Problematik oft über Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Lustlosigkeit, Appetitmangel und Angst, z.B. vor dem Versagen bzw. drohenden schweren Krankheiten. Im extremen Fall ist Zungenbrennen bei Schizophrenie-Patienten festzustellen.

psychische probleme, depressionen

Aber auch Stress allein kann nicht nur Verspannungen und Fehlbewegungen des Kausystems, sondern auch Missempfindungen der Mundschleimhaut verursachen. Gleiches gilt auch für die hormonelle Umstellung während der Wechseljahre bei der Frau.

 

Leichter für den Zahnarzt zur Ursachenfindung ist es, wenn die Zunge sich in ihrer Form, Farbe oder allgemeinen Beschaffenheit verändert hat. Ein Brennen kann mit folgenden Veränderungen der Zunge korrelieren:

 

• Landkartenzunge, die so genannte Lingua geographica
• Faltenzunge, die so genannte Lingua plicata, oder eines
• Lichen ruber planus.

 

Ersichtliche Schleimhautveränderungen, die auf einem ungenügenden Prothesensitz, einem Wärmestau unter der Prothese oder einer Prothesenunverträglichkeit, der so genannte Prothesenstomatitis beruhen, sind ebenfalls schnell diagnostiziert.

 

Einige Krankheitsbilder, bei denen ein Zungenbrennen auftreten kann, sollen im Folgenden nochmals etwas genauer dargestellt werden:

Landkartenzunge (Lingua geographica)

Landkartenzunge

Zu allererst sollte gesagt sein, dass die Langkartenzunge eine gutartige Variante der normalen Epithelbeschaffenheit der Zunge darstellt. Eine Landkartenzunge ist charakterisiert durch glatte hellrote Flecken, die auf dem andersartig roten Zungenrücken meist vom Zungengrund zur Zungenspitze wandern.

 

Ihr Aussehen vermittelt wirklich das Erscheinungsbild einer Landkarte. Die separaten oder zusammenhängenden helleren Flecken entstehen durch das Verschwinden bzw. den Abrieb von Fadenpapillen. Eine jede Zunge hat stets unterschiedliche Arten von Papillen, über die die verschiedenen Geschmacksempfindungen vermittelt werden.

 

Das Wandern dieser helleren Areale mit ihren regel- oder auch unregelmäßigen Begrenzungen ist einerseits auf den Abrieb der Papillen und andererseits auf die Regeneration zurückzuführen. Es handelt sich hierbei um einen chronischen Prozess, der zwar ein Brennen hervorrufen kann (vor allem bei scharfen Speisen), aber grundsätzlich nicht beunruhigend ist. Diese Veränderungen können bereits bei Kleinkindern auftreten, bedürfen jedoch keiner Therapie; eine spontane Rückbildung ist möglich.

Faltenzunge (Lingua plicata)

Faltenzunge

Die Faltenzunge tritt bei rund 12% der Bevölkerung auf. Eine Faltenzunge stellt sich durch symmetrische Einkerbungen und Erhebungen im vorderen und mittleren Teil dar. Diese werden durch einstrahlende Muskelzüge verursacht und sind daher in ihrer Ausprägung von zart bis sehr tief oft unterschiedlich. Sie bietet leider einen hervorragenden Nährboden für bakterielle Infektionen.

 

So findet man sie häufiger bei Syphilis, Tuberkulose, Sjögren-Syndrom, Folsäuremangel aber auch bei Lichen ruber planus und der Moeller-Hunter-Glossitis. Pathologische Faltenzungen können bei der Glossitis granulomatosa (in ca. der Hälfte aller Fälle als Symptom beim sog. Melkersson-Rosenthal-Syndrom) auftreten. Innerhalb einer Familie zeigt sie sich gehäuft, wobei sie sich jedoch erst ab dem 4.Lebensjahr und bis zum 2.Lebensjahrzehnt stetig entwickelt. Einer Therapie müssen sich die Patienten diesbezüglich nicht unterziehen. Nur ein unangenehmes Zungenbrennen kann leider auftreten.

Lichen ruber planus

lichen ruber planus

Lichen ruber planus ist ein komplexes Krankheitsbild, das wahrscheinlich durch eine Autoimmunreaktion hervorgerufen wird. Es werden jedoch auch andere Ursachen diskutiert, wie beispielsweise eine Virusinfektion oder eine lokale Immunabwehr. Eine abschließende Zuordnung der Entstehung konnte bisher noch nicht festgelegt werden.

 

An der Wangenschleimhaut, der Wangenumschlagfalte im Seitenzahnbereich, der Zungenunterseite, dem Zungenrücken, dem Mundboden, Zahnfleisch, dem Gaumen und dem Lippenrot können häufig zierliche, grauweiße, z. T. vernetzte, nicht abwischbare, pustelige Veränderungen vorkommen. Es sind mehr Frauen als Männer befallen. Gehäuft zeigt sich der Lichen ruber planus zwischen dem 4. und 6.Lebensjahrzehnt. Er muss alle drei Monate kontrolliert werden, da er sich sehr variabel darstellt und eine bösartige Entartung möglich ist. Der Lichen ruber soll in etwa 50% der Fälle mit Hauterscheinungen auftreten.

Allergien

Mundschleimhautveränderungen bei Allergie sind meist kräftig rot verfärbte, leicht geschwollene, glatt begrenzte, unförmige Bereiche.

Prothesenunverträglichkeit

Die Prothesenunverträglichkeit äußert sich meist durch Mundbrennen, Hitzegefühl, Mundtrockenheit und vereinzelten Sensibilitätsstörungen. Auch andere Krankheiten, wie Vitamin B 12-Mangel- oder Eisenmangelanämie, Magenschleimhautentzündung, Leber- oder Kreislaufstörungen, können wiederum eine Enzündung bedingen. Davon abzugrenzen ist die Prothesenstomatitis, die auf den der Prothese direkt anliegenden Schleimhautarealen lokalisiert ist. Sie entsteht durch mechanische, stoffliche oder thermische Reize und versetzt die Schleimhaut eher in einen trockenen, glatten, glänzenden, matten, gequollenen, fein oder grob granulierten Zustand.

Moeller-Hunter-Glossitis

Die Moeller-Hunter-Glossitis kann als alleiniges Krankheitsbild oder als Teilsymptom eines oder mehrerer Krankheitsbilder, wie z.B. bei der Vitamin B 12-Mangel-Anämie oder Eingeweidewürmern, in Erscheinung treten. Sie kann sich als klassisches Symptom oder als Frühsymptom präsentieren, bevor die eigentliche Krankheit überhaupt erkennbar ist. Durch heftiges, zunächst anfallsweises Brennen, welches Sprechen, Kauen und Zungenbewegungen fast unmöglich werden lässt, macht sie sich bemerkbar. Die Zunge schwillt leicht, zeigt eine blasse Farbe mit verstreuten feuerroten Flecken oder Streifen sowie verlängerte, verdickte Fadenpapillen. Die Ränder dieser Bereiche zeigen sich glänzend, glatt und liegen meist an der Zungenspitze oder dem Zungenrücken. Die Erkrankung ist chronisch und entsteht gerne auf einer Faltenzunge.

Sexuelle Kontakte

Erkrankungen, die sich durch Schleimhaut-Schleimhaut Kontakte verbreiten, können durch orale sexuelle Praktiken übertragen werden. Bakterien, Viren, Pilze etc. werden nicht nur durch den Mund in den Körper aufgenommen, sondern treten z. T. auch als erstes direkt im Mundraum in Erscheinung. Ein Brennen von Zunge oder Schleimhaut wird von den betroffenen Patienten jedoch primär bei keiner Krankheit geäußert.

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